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Was ist Gedankenübertragung?

»Es gibt keine Materie an sich! Alle Materie entsteht und besteht nur durch eigene Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigen Sonnensystem des Atoms zusammenhält… So müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund der Materie.« (Max Planck)

Drei sehr unterschiedliche Berufsgruppen beschäftigen sich derzeit mit Außersinnlicher Wahrnehmung. Streng genommen nur zwei, versteht man unter dem Begriff Beschäftigung
einen länger andauernden Prozess. Denn die erste Gruppe, die etablierte Naturwissenschaft, hat für das Thema »Hellsehen« ungefähr soviel übrig wie die Internet-Enzyklopädie »Wikipedia«, die außersinnliche Wahrnehmung als einen »Sammelbegriff für eine hypothetische Art von Wahrnehmungen« bezeichnet, »für die es bislang keine wissenschaftlich bestätigten Nachweise gibt und die per Definition nicht durch bekannte sinnliche Erfahrungen, Wahrnehmungen oder Wissensquellen erklärbar sind.« Die anderen zwei Berufsgruppen sind Hellseher und Parapsychologen.

Das Verhältnis der Hellseher zu ihrem Gegenstand ist freilich einfach zu beschreiben: sie wenden an – unabhängig von der Tatsache, ob es eine »wissenschaftliche« Erklärung dafür gibt, was sie da tun – oder nicht. Stört es uns, das wir tagein tagaus Computer und technische Geräte bedienen, ohne sie wirklich erklären zu können? Wozu also begründen, erforschen, was der Hellseher tut, wenn er »hell sieht«? Zum einen aus dem Bedürfnis heraus, grundsätzliche Fragen über den Aufbau unserer Wirklichkeit zu klären – gibt es eine Übertragung von Informationen und Kräften jenseits der Materie? Zum anderen aus einem ganz konkreten Grund heraus: Wer einen Computer bedient, der weiß zwar nicht immer, was er tut; aber er kann sich doch sicher darauf verlassen, dass das, was er tut, der Realität entspricht. Den Hellsehern, den guten wie den schlechten, den erfolgreichen wie den Scharlatanen aber hält ein großer Teil der Gesellschaft vor: das, was Du da tust, ist Schauspielerei, bestenfalls Selbstbetrug. Sieh ein, dass Deine Geschäftsgrundlage nicht existiert, und werd endlich erwachsen.

Parapsychologen könnten auch als »Dolmetscher« zwischen den Welten verstanden werden. Zwar entstammt ihr Anspruch komplett der Welt der Wissenschaft, ihre Methoden, ihre
Ideale stehen nicht im Gegensatz zur empirischen Wissenschaft, doch im Gegensatz zu akademischen Forschern sind sie bereit, sich auch obskuren, nicht von vornherein Erfolg versprechenden Gegenständen zu widmen, die noch dazu mit dem Ruch von Jahrmarkttrickserei kontaminiert sind. Ihr Ziel ist es, die immer wieder berichteten Phänomene außergewöhnlicher menschlicher Fähigkeiten und Handlungen auf ihre Beschaffenheit hin zu überprüfen.

Tatsächlich ist Außersinnliche Wahrnehmung (ASW) einer der Entstehungsgründe für die moderne Parapsychologie. Von konkreten Fällen ausgehend versuchte sie zunächst (wie jede gute Wissenschaft), ihren Gegenstand fest zu umreißen. Dabei kam sie zu folgender Definition: Bei außersinnlicher Wahrnehmung handelt es sich um »eine Erfahrung, die auf irgend etwas außerhalb des Erlebnisträgers bezogen ist, ohne Beteiligung der uns bekannten Sinnesorgane« (Lexikon der Parapsychologie).

Anschließend unterschied sie drei Gattungen von ASW: die Telepathie, das Hellsehen und die Präkognition Unter Telepathie versteht sie das, was allgemein als Gedankenübertragung bezeichnet wird. Das parapsychologische Hellsehen entspricht nicht genau dem, was man im Volksmund unter »Hellsehen« versteht: Darunter fallen nämlich nur die außersinnliche Wahrnehmung von Gegenständen oder objektiven Vorgängen, soweit diese nicht den Gedanken anderer Menschen entnommen werden können. Präkognition wiederum ist das, was man gemeinhin unter (paranormalen) Vorhersagen versteht, also keine Wetterprognosen, sondern die Voraussage von Ereignissen, die so nicht logisch vorherzusehen waren oder sind.

Sehen wir uns Beispiele für diese Klassen von Außersinnlicher Wahrnehmung an, um klarer zu unterscheiden, was wir später im Detail ansehen wollen. Eine Hellseherin, die ihrem Klienten zunächst etwas über seine Vergangenheit und dann über seine Zukunft verrät, betreibt aus parapsychologischer Sicht – ist sie ernsthaft begabt – eine Mischung aus Telepathie und Präkognition. Hellsehen im parapsychologischen Verständnis ist nur selten mit von der Partie, da sich alle ihre Angaben unmittelbar auf die Person des Ratsuchenden beziehen. Telepathie bedeutet dabei nicht unbedingt die bewusste Übertragung von Gedanken von dem Ratsuchenden auf die Hellseherin, wie wir später sehen werden, sondern durchaus auch die Kunst des Gedankenlesens: Die Fähigkeit der hellsichtigen Dame, Informationen aus der Vergangenheit Ihres Klienten zu nennen, beruht wohl eher auf einem »Lesenkönnen« denn auf einem »Genanntbekommen«. Wir sehen hier gleich den fundamentalen Unterschied zwischen der parapsychologischen Sicht und vielen esoterischen »Begründungen«: Die Informationen, so die Parapsychologie, bezieht die Hellseherin nicht aus einer überpersonalen Quelle wie der Akasha-Chronik oder der Welt der Engel, sondern ganz konkret aus der (unbewussten) Erfahrungswelt ihres Gegenübers. Selbst die zukünftigen Ereignisse müssen nicht notwendigerweise »übernatürlich« ermittelt werden.

Um nicht in ein heilloses Durcheinander von konkreten Fällen und Erklärungsmodellen zu geraten, möchte ich in den folgenden Teilen dieser Serie die drei Gattungen von ASW zunächst einmal getrennt voneinander behandeln. Im letzten Teil werde ich dann gemeinsame Schlussfolgerungen anstellen.

WAS IST TELEPATHIE?

Ich sagte vorhin, diese Gattung der Außersinnlichen Wahrnehmung sei ungefähr gleichbedeutend mit »Gedankenübertragung« bzw. »Gedankenlesen«. Abgesehen davon, dass »Dianoiametaphorie« kein schönes Wort wäre (so oder so ähnlich müsste »Gedankenübertragung« auf Griechisch übersetzt lauten), mag dieser Begriff, der ähnlich wie »Telefonie« ein Kunstwort des 19. Jahrhunderts ist, inhaltlich zunächst verwundern. FREDERIC MYERS, ein englischer Dichter und Mitbegründer der Society for Psychical Research, führte ihn 1882 anstelle des älteren »thought transference« ein. Wie kam er darauf, von »Tele-pathie«, also von »Fern-leiden« zu sprechen? Weil telepathische Fähigkeiten nicht immer nur ein Grund zur Freude sind?

Interessanterweise finden sich weder im 7bändigen Lexikon »Religion in Geschichte und Gegenwart« noch im »ersten umfassenden Lexikon der Esoterik« von JULIA IWERSEN die Begriffe »Hellsehen« oder »Telepathie«. Selbst »Wahrsagen« wird auf einen Vorgang beschränkt, bei der »ein Gott oder Geist durch eine in Ekstase befindliche Person spricht.« Doch was hat es mit »ganz gewöhnlicher«, zwischenmenschlicher Gedankenübertragung auf sich?

Die Autorin SILVIA STEINER nennt die Telepathie schon im Titel ihres Werks »die natürlichste Sache der Welt«. Nach einer knappen Einleitung zum Aufbau der Wirklichkeit aus Geist und Materie und zur Gespaltenheit der heutigen Gesellschaft in ihrer Akzeptanz und Wahrnehmung kommt die Autorin auf den eigentlichen Gegenstand ihres Buches zurück. Für sie ist Telepathie schon deshalb so gewöhnlich, weil sie jeden Tag, in jeder Form der Kommunikation mitschwingt: kein Gespräch ohne Vermittlung von Ideen, ohne Transport geistiger Inhalte vom Sender zum Empfänger. »Schicken wir das obere (Gedanken, Wünsche) und das untere (Worte, Gesten, Mimik) Paket, dann nennen wir das physische Kommunikation. Aber das ist eigentlich falsch. Wir müssten von Telepathie plus Kommunikation reden.«

Was also ist diese Telepathie? Wie funktioniert sie? Und sind tatsächlich alle Menschen dazu imstande, oder ist sie das wertvolle Eigentum einer kleinen Kaste von Begabten? Der russische Journalist KARL NIKOLAJEW, von dem wir später noch hören werden, ist der Meinung, dass jeder Mensch das Potential zu außersinnlicher Wahrnehmung besitzt. Telepathie müsste jedoch – wie Lesen, Rechnen oder Fahrradfahren – von den meisten erst erlernt und trainiert werden, um zu nennenswerten Erfolgen zu kommen. Nur wenige Menschen – jene, die wir für gewöhnlich als Medien bezeichnen – verfügen schon von Geburt an über außergewöhnlich stark ausgeprägte telepathische Kräfte.

Das Lexikon der Parapsychologie von 1988 definiert Telepathie als »nicht durch die uns bekannten Sinne vermittelte Erfahrung eines fremdseelischen Vorgangs (Gefühle, Antriebe, Gedanken usw.)«, also als kommunikativen Akt der Außersinnlichen Wahrnehmung. Gleich im Anschluss weist es darauf hin, dass Telepathie nicht unweigerlich eine Übertragung von Gedanken sein muss. Was übermittelt wird, kann durchaus variieren: auch Ideen, Namen, Eindrücke, Bilder, Wörter, Stimmungen, Sachverhalte werden im Rahmen echter Telepathie ausgetauscht. Sie kann sich gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst, mit zwei oder mehreren Personen und unabhängig von räumlicher Distanz ereignen, wie wir gleich noch sehen werden. Telepathie verfügt über drei grundsätzliche Funktionsweisen:

Sehen wir uns nun konkrete Beispiele für Telepathie an. Ich gehe dabei aus Platzgründen nur auf solche Fälle ein, die die Parapsychologie selbst dokumentiert hat, und nicht auf historische Überlieferungen, obwohl diese natürlich ihren eigenen Reiz besitzen – wie etwa die Geschichte des persischen Schriftgelehrten ABDU’L BAHA, der während seines Vortrags die Gedanken einer Hörerin las und ihr so, für andere unbemerkt, einen geheimen Wunsch erfüllen konnte.

FÄLLE VON TELEPATHIE

Spätestens seit den Versuchen des Biologen und Parapsychologen JOSEPH B. RHINE Mitte der Dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gilt Gedankenübertragung in der Parapsychologie als statistisch bewiesen. Rhine ließ als »Sender« fungierende Probanden zufällig gezogene Symbole auf so genannten Zener-Karten an als »Empfänger« agierende Probanden per Gedanken übertragen. Und siehe da, das Ergebnis war »statistisch signifikant«, belegte also die Wirklichkeit von telepathischer Kommunikation.

Die Regierungen der USA wie der Sowjetunion erkannten das Potential, das in einer so diskreten Waffe wie der gedanklichen Informationsübertragung liegt, sehr früh. Schon 1958 war im Rahmen der Geheimoperation »Sunshine«, die das erste Atom-U-Boot der USA an den Nordpol bringen sollte, ein ungewöhnlicher Matrose mit an Bord der »Nautilus«. Sein Auftrag: tief unter dem Packeis, wo jede Art von Funkverbindung unmöglich war, Informationen zu empfangen, die ein telepathisch versierter Kollege aus dem weit entfernten Maryland übermitteln sollte. Um jeden Betrug auszuschließen, zog eine Maschine für diesen »Sender« die Zener-Karten, und der Empfänger tief im Eis zeichnete auf, welche Signale er zeitgleich mit der »Sendung« vor seinem geistigen Auge sah. Das Ergebnis war überwältigend: nachdem man die in versiegelten Umschlägen übermittelten Daten aus der Nautilus mit den Protokollen aus Maryland verglich, stimmten 70% der Daten überein.

So sensationell diese Nachricht in den westlichen Medien auch aufgenommen wurde (ohne freilich etwas an der skeptischen Grundhaltung der Gesellschaft zu ändern), so schockierend musste dieser Vorsprung der USA auf ihren Erzrivalen, die Sowjetunion, gewirkt haben. Nach Bekanntwerden des Nautilus-Experiments 1959 begann auch die UDSSR mit systematischen parapsychologischen Forschungen. Im Unterschied zu den amerikanischen Wissenschaftlern hielten sie sich nicht lange damit auf, Telepathie beweisen zu wollen. Sie gingen gleich dazu über, die neu entdeckten Kräfte praktisch anzuwenden. 1966 konnten im so genannten Moskau-Nowosibirsk-Telepathietest denn auch sensationelle Ergebnisse erzielt werden. Dem Biophysiker JURI KAMENSKIJ wurde in Moskau ein versiegeltes Paket mit konkreten Gegenständen überreicht, die er Stück für Stück an seinen Kollegen, den bereits zitierten KARL NIKOLAJEW, übermitteln sollte – bis nach Nowosibirsk und unter strengen Laborbedingungen. Und tatsächlich: Als sich Juri auf das erste Objekt, eine Metallspirale, konzentrierte, notierte Karl: »Rund metallisch… glänzend… gekerbt… sieht wie eine Rolle aus.« Juri nahm nun einen Schraubenzieher mit schwarzem Plastikgriff in die Hand und Karl schrieb: »Lang… dünn… Metall… Kunststoff… schwarzer Kunststoff.« 1971 führte der Physiker und Testpilot EDGAR D. MITCHELL sogar einen Telepathie-Test an Bord einer Rakete durch, mehr als 380.000 km von der Erde (und den Empfängern seiner gedanklichen Botschaften) entfernt. Seine Ergebnisse waren, Kritikern zum Trotz, ebenfalls überzeugend.

Die Verknüpfung telepathischer Aktivitäten mit der Nennung geographischer Koordinaten half den Forschern des Stanford Research Institutes im Laufe der 70er Jahre bei
der Entwicklung des so genannten »Remote Viewing« (zu deutsch: »Fernwahrnehmung«), welches bis zum Ende des Startgate-Projekts 1995 mit immerhin 20 Millionen Dollar finanziert wurde. 1979 konnte auf diese Weise sogar ein bislang geheimer sowjetischer U-Boot-Bau ermittelt werden, der sich 1980 – trotz Skepsis des Pentagons – durch Satelitenfotos verifizieren ließ.

Um auf die eingangs gestellte Frage nach dem Sinn des Begriffs »Fern-Leiden« zurückzukommen: Im Gegensatz zu den oben geschilderten »Laborversuchen« sind die Inhalte spontaner telepathischer Erfahrungen meist schmerzhafter Natur. Um zwei typische Beispiele zu zitieren: Eine Mutter lässt ihre Tochter allein in ein Kino gehen, das bloß einen Block von zuhause entfernt liegt. Sie wäscht ab, als sie plötzlich ein schmerzhaftes Gefühl überkommt: »Aus einem unerklärlichen Grund wusste ich, dass Joicey von einem Auto angefahren worden war.« Ein Anruf beim Kino ergab, dass sie mit ihrer Befürchtung richtig lag, wenn dem Kind auch zum Glück nichts passiert war. Neben dem »Ahnen« und »Fühlen« gibt es natürlich auch sehr konkrete Formen bildhafter Telepathie. So notierte sich ein Arzt während eines Hausbesuchs, dass er »plötzlich den Eindruck hatte«, seine Tochter mit blutendem Knie an der Steintreppe seines Hauses liegen zu sehen. Er vermerkte auch die genaue Uhrzeit seiner Vision – und tatsächlich
bestätigte ihm seine Familie den Unfall später inklusive der korrekten Zeitangabe.

WIE FUNKTIONIERT TELEPATHIE?

Bis heute ungeklärt und Gegenstand zahlreicher Spekulationen ist die Frage, wie Telepathie eigentlich funktioniert. Welcher »Sinn« ist für die Aufnahme Außersinnlicher Wahrnehmung verantwortlich? Der (unter Fachkolegen nicht unumstrittene) britische Biologe RUPERT SHELDRAKE erklärt Telepathie mit der Tatsache, dass Wahrnehmung über den »Geist«, nicht über das »Gehirn« funktioniere, wie allgemein angenommen. Ein solcher Geist, der einem Feld gleicht, überschneidet sich an vielen Stellen mit den Geistern anderer Menschen, zu denen wir in Kontakt stehen. Zwei von ihm häufig zitierte Beispiele für die allgemeine Verbreitung von Telepathie ist das bekannte Gefühl, von hinten beobachtet zu werden, obwohl man die andere Person ja sinnlich nicht wirklich wahrnehmen kann, sowie das Phänomen der »telefonischen Telepathie«: kurz, nachdem man an jemanden gedacht hat, ruft dieser auch tatsächlich an.

Der Parapsychologe REX STANFORD entwickelte PMIR, ein Erklärungs-Modell, das man auch als »Psi-Scanning« bezeichnen könnte: seiner Meinung nach sucht jeder Mensch ständig seine Umgebung mittels ASW ab, ohne sich dessen bewusst zu sein. »PMIR lässt sich zur Erklärung von vielem, das wir Zufall nennen, heranziehen: Im richtigen Augenblick am richtigen Ort sein, oder glückbringende Fehlhandlungen begehen wie etwa die, dass man in den falschen Laden geht und eine außergewöhnliche Kaufgelegenheit
findet« (Scott Rogo, Parapsychologie)

Wie immer man sich Gedankenübertragung auch erklären mag: Telepathie gilt als die best belegteste Form der ASW überhaupt. Vielleicht deshalb, weil als »Sender« wie als »Empfänger« die menschliche Psyche vermutet wird. Doch wie erklärt man sich echtes Hellsehen ohne eigenen »Sender«? Diesen spannenden Gegenstand sehen wir uns im nächsten Monat an.

Überblick über die modernen Grenzwissenschaften

»Ein erheblicher Teil des Widerstands traditionsorientierter Wissenschaftler gegen den Zustrom neuer, revolutionärer Daten beruht auf einem fundamentalen Missverständnis der Beschaffenheit und der Funktion wissenschaftlicher Theorien.« (Stanislav Grof, Geburt, Tod und Transzendenz. Neue Dimensionen in der Psychologie)

Ziel dieser Serie ist es, die Untersuchung der Wirklichkeit paranormaler Phänomene durch kritische Wissenschaftler darzustellen, den Versuch von Parapsychologen, Anomalisten und Paranormologen, eine »Theorie der Magie« zu formulieren, die das Unverständliche erklärt oder zumindest statistisch belegt. Für manchen Esoteriker mag eine Adelung durch die universitäre Wissenschaft überflüssig erscheinen – hat man mit dem »Glauben« an das materialistische Weltbild doch auch längst das Vertrauen in die Wissenschaft per se verloren. Dass die Naturwissenschaft längst nicht mehr der Newtonschen Weltanschauung anhängt und spätestens seit Einstein weitaus »esoterischer« klingt als so mancher Geisteswissenschaftler (der den Erkenntnissen eher konservativ, skeptisch und abwartend gegenübersteht), wird hierbei oft übersehen. Die Chance einer gemeinsamen geistigen Revolution war vielleicht noch nie so groß wie jetzt. Lassen Sie uns also einen Blick auf jene Wissenschaften werfen, die an den ausgefransten Rändern unseres Weltbilds nach neuen Wirklichkeiten forschen. Der Übersichtlichkeit halber werden wir uns – unter Verweis auf die internationalen Entwicklungen – auf die deutschsprachigen Grenzwissenschaften konzentrieren.

PARASPSYCHOLOGIE

Die in der breiten Öffentlichkeit bekannteste Grenzwissenschaft ist zweifellos die Parapsychologie. Sie gilt als die älteste Form wissenschaftlicher Beschäftigung mit paranormalen Phänomenen, reichen ihre Wurzeln doch zurück bis auf den 1862 gegründeten »Ghost Club« und auf die 1882 gegründete und heute von der Parapsychologin Deborah Delanoy geführte »Society for Psychical Research« (SPR). Der Psychologe Max Dessoir etablierte bereits 1889, nur 10 Jahre nach Gründung des ersten psychologischen Instituts, ihren heutigen Namen. Alternative Begriffe nennen diesen Forschungszweig, der sich selbst als Teilbereich der Psychologie versteht, auch Metapsychik. Aufgabe dieser Parawissenschaft ist es, »die jahrtausendealten und in allen Kulturen anzutreffenden Berichte von ‚übernatürlichen’ Geschehnissen auf ihren rationalen Kern hin zu untersuchen.« (Werner Bonin)

Mit dieser Eigendefinition grenzt sich die Parapsychologie scharf von jenen Esoterikern ab, die sich selbst als Parapsychologen bezeichnen, damit aber letztlich eine Beschäftigung mit okkulten Phänomenen meinen, ohne diese wissenschaftlich belegen oder untersuchen zu wollen. Im Gegensatz zum Okkultisten ist der Parapsychologe bemüht, erst einmal jede rationale Erklärung des zu untersuchenden Gegenstands auszuschließen, bevor er von einem übernatürlichen Phänomen spricht. Weiterhin nimmt er an, dass die meisten (wenn nicht alle) noch unerklärlichen Ereignisse auf psychischen Kräften – und somit auf menschlichen Fähigkeiten – beruhen. Gott, Götter, Geister oder Dämonen schließt er, da in ihrer Natur nicht messbar, von seiner Beweisführung aus.

Dank seiner Haltung und seinem Untersuchungsgegenstand ist der Parapsychologe ein Zwitterwesen ohne eigene Lobby. Von den klassischen Wissenschaften nicht ernst genommen, halten ihn religiöse wie esoterisch gesinnte Menschen für einen Verräter. Das erklärt, unter anderem, die mangelnde gesellschaftliche Resonanz auf die Forschungsergebnisse der Parapsychologie. Von Physikern wie Psychologen wegen seiner grundsätzlichen Akzeptanz »übernatürlicher« Phänomene zur Pseudowissenschaft erklärt, ist es die skeptische Grundhaltung und die Weigerung, sich auf übernatürliche Ursachen zu berufen, die ihn vom Mainstream der esoterischen Szene unterscheidet. Gegenstände wie die Hypnose, anfangs ein Kernbereich parapsychologischer Forschung, haben mit ihrer Vereinahmung durch die klassischen Naturwissenschaften (Medizin, Psychologie) zugleich ihre Zugkraft für eine Akzeptanz der Parapsychologie als ernstzunehmender Wissenschaft verloren.

Die Geschichte der parapsychologischen Forschung zerfällt in drei wichtige Abschnitte: die frühen Gehversuche ihrer Gründungsväter (1889-1910), die Ära des amerikanischen Biologen und (Para)psychologen Joseph B. Rhine (1911-1965), der seinem Gegenstand universitäre Kooperationen ermöglichte, sowie die intensive und breit gefächerte Forschung in den 70er und 80er Jahres des 20. Jahrhunderts, wohl infolge der seit 1968 zunehmenden Offenheit und gesellschaftlichen Neugier an spirituellen und (Gesellschafts-)philosophischen Fragen.

Insbesondere für den deutschsprachigen Bereich ist auf das Freiburger »Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene« (IGPP) hinzuweisen, das 1950 von dem Psychologen Hans Bender gegründet wurde und das heute als gemeinnütziger Verein vorwiegend durch private Stiftungsmittel finanziert wird. Das IGPP gilt als das weltweit größte Institut seiner Art, das mit seinen ca. 60.000 Bänden zudem über die europaweit größte Spezialbibliothek zum Thema Grenzwissenschaften verfügt, darunter Bücher zu Okkultismus, Spiritismus, Jenseitskontakten, medialen Kundgaben, Wiedergeburtserinnerungen, Tonbandeinspielungen, Channeling, Wünschelrutengängern, Geistiger Heilung, Astrologie, Divinations- und Orakelpraktiken (Tarot, I Ging), aber auch UFO-Forschung, Magie und Zauberkunst.

Vergleichbare, akademische Forschungseinrichtungen existieren heute in den USA (»The VERITAS Research Program« des Departments für Psychologie der Universität von Arizona), England (»The Parapsychology Research Group« der Universität von Liverpool; »Centre for the Study of Anomalous Psychological Research« in Northhampton; »Anomalistic Psychology Research Unit« an der Goldsmiths-Universität in London) sowie in Frankreich »L‘Institut métapsychique international« in Paris). Doch auch Ungarn, Indien, die Niederlande und Schweden verfügen über ähnliche Einrichtungen.

Waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch Kartenlegen, Astrologie, Zauberei und so ziemlich alle mysteriösen Phänomene gelegentlicher Gegenstand parapsychologischer Forschung, so hat sich diese im Laufe ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung inzwischen auf wenige, aber gut dokumentierte Phänomene spezialisiert: im Fokus der modernen Parapsychologie stehen jetzt die sogenannte »Außersinnliche Wahrnehmung« (ASW) und die »Psychokinese« (Makro- wie Mikro-PK), zu deutsch: Gedankenübertragung, Hellsehen und die Bewegung oder Veränderung von Gegenständen durch rein geistige Einwirkung. Dazu sammelt und untersucht sie Berichte und führt selbst Forschungen durch. Ihre statistischen Untersuchungsmethoden hat sie von der klassischen Psychologie übernommen. Was vor über 100 Jahren als Sammeln absonderlicher Geschichten begann, wurde – der wissenschaftlichen Anerkennung zuliebe – immer mehr zu einer kleinteiligen Forschungswissenschaft. Tragischerweise, und das sei hinzugefügt, ohne deswegen auf größere Gegenliebe zu stoßen. Die oben genannten Phänomene werden als statistisch erwiesen betrachtet, wenn ihr Zustandekommen auch nicht erklärt werden kann. Parapsychologen nehmen eine Wechselwirkung zwischen geistigen und materiellen Prozessen an, für die vom orthodoxen wissenschaftlichen Standpunkt her (noch) keine Erklärung zur Verfügung steht.

Diese Haltung lässt den Begriff »Parapsychologie« treffend wie nie zuvor erscheinen. Denn im Unterschied zu früher werden nicht externe Kräfte (wie Verstorbene oder Geister) als Ursache für die Phänomene angesehen, sondern das Medium selbst. Spukphänomene zum Beispiel, einer der Hauptgegenstände der frühen parapsychologischen Forschung, werden heute generell auf die unbewussten Kräfte der Bewohner eines Hauses zurückgeführt, ohne freilich erklären zu können, wie die betreffende Person, die unter dem Spuk zu leiden hat, diese genau hervorrufen soll.

ANOMALISTIK

Weniger bekannt und nicht ganz so geschichtsträchtig wie die Parapsychologie ist die Anomalistik, deren Namen sich von der Untersuchung wissenschaftlicher Anomalien herleitet, welche durch gegenwärtig akzeptierte wissenschaftliche Theorien nicht erklärbar scheinen. 1973 brachte der amerikanische Anthropologe Roger Wescott diesen Begriff in die wissenschaftliche Diskussion ein.

Die Anomalistik ist, einem Grundlagentext von Marcello Truzzi zufolge, ein rein wissenschaftliches und interdisziplinäres Unterfangen. Wie die Parapsychologie sieht sie sich dem wissenschaftlichen Skeptizismus verpflichtet und beschäftigt sich ausdrücklich nicht mit Metaphysik oder »übernatürlichen Phänomenen«. Durch die Interdisziplinarität sieht sie sich – im Gegensatz zur Parapsychologie – als lockeren Zusammenschluss von Fachwissenschaftlern aller Couleur. Durch ihren breiter gefassten Untersuchungsgegenstand legt sich die Anomalistik nicht auf die menschliche Psyche als Ursache aller zu untersuchenden Phänomene fest und untersucht auch Gebiete wie die Kryptozoologie (die verborgene Tierarten aufspürt und die Wurzeln von Fabelwesen
erforscht) und die Astrologie.

Als Wissenschaft grenzt sich die Anomalistik ebenso vom Gläubigen wie vom Spötter ab und sieht sich als Hilfswissenschaft für die Bewertung von Anomalien, die von Wissenschaftlern wie Protowissenschaftlern (darunter fallen auch die Esoteriker) aufgefunden wurden. Ihre Zielsetzung ist erfrischend und frei von orthodoxen Glaubenssätzen: »Angesichts der Erkenntnis, dass eine gut fundierte Anomalie eine Krise für konventionelle Theorien in der Wissenschaft auslösen kann, werden Anomalien von Anomalisten als eine Gelegenheit für progressiven Wandel in der Wissenschaft angesehen.« (Marcello Truzzi)

Die Breite anomalistischer Forschung tritt auch im Themenspektrum der »Zeitschrift für Anomalistik« zutage, die wie ein akademisches Pendant zur »esotera« klingt: Paranormale Überzeugungssysteme, Mondeinflüsse auf den Menschen, Nahtodes-Erfahrungen, UFO-Berichte, Parapsychologie und Psi-Experimente, Außerkörperliche Erfahrungen, Astrologie, Paraphysik, Geomantie, Homöopathie, Morphische Felder, Reinkarnation, Radiästhesie und vieles mehr. Die anomalistischen Arbeitskreise bestehen – getreu dem Prinzip der Interdisziplinarität und der Objektivität – aus Gegnern wie Befürwortern der zu untersuchenden Phänomene sowie aus Personen, denen die »Wahrheitsfrage« letztlich egal ist, weil sie für die von ihnen untersuchten Fragestellungen unwesentlich ist.

Ihrer Interdisziplinarität ist es geschuldet, dass es weder ein Studienfach noch ein regelrechtes »Institut für Anomalistik« gibt. Stattdessen werden anomalistische Studien in Forscherverbänden wie der »Society for Scientific Exploration« (Michigan/USA) oder der im badischen Sandhausen ansässigen »Gesellschaft für Anomalistik e.V.« betrieben. Beide geben nicht nur eigene Zeitschriften heraus, sondern veranstalten auch regelmäßige Zusammenkünfte, wie zuletzt das Meeting der SSE im August 2009 in Italien.

Ähnlich wie die Religionswissenschaft interessiert sich die Anomalistik nicht nur für die »esoterischen« Phänomene an sich, sondern für den Glauben an diese innerhalb der modernen Gesellschaft. So fand im Oktober 2009 eine Podiumsdiskussion zum Thema »Esoterik und Massenmedien – Boom oder Niedergang?« statt, deren Ziel es war, eine »aktuelle Einschätzung der Entwicklung des weiten Bereichs der Esoterik im Verhältnis zu den traditionellen Religionen, aber auch im Hinblick auf ihre Popularisierung und massenmediale Repräsentation« vorzunehmen. Der Arbeitskreis Astrologie, von einem erklärten Kritiker der Sterndeutung geleitet, kam laut einem Zwischenbericht von 2002 sogar zu »einigen für Astrologen ermutigenden Ergebnissen«. Das belegt neben der Objektivität der anomalistischen Forschung auch deren Vorsatz, »den Ansprüchen der Astrologie wirklich gerecht zu werden und ihre Erfolgschancen – bei ebenso sorgfältiger Beachtung methodischer Standards – zu optimieren.«

PARANORMOLOGIE

Etwa zeitgleich mit der Anomalistik vollzog sich die Gründung einer weiteren Forschungsrichtung, die sich explizit mit den Grenzgebieten der Wissenschaften auseinandersetzt: die Paranormologie. Sie widmet sich »der Absicherung der Echtheit, der Beschreibung der Erscheinungsformen, dem Aufdecken der Abweichungen von den bekannten und anerkannten Gesetzmäßigkeiten und dem Suchen nach möglichen Gesetzmäßigkeiten paranormaler Phänomene«. Die Parapsychologie wird von der Paranormologie als ein Teilbereich unter vieren verstanden, neben der Parabiologie, der Paraphysik und der alle religiösen Phänomene umfassenden Parapneumatologie. Um eben diesen letzten Teilbereich geht sie klar über den Forschungsgegenstand der Anomalistik hinaus.

Doch nicht der Gegenstand, sondern die Zielsetzung der paranormologischen Forschung ist es, die diese Wissenschaft von ihren oben dargestellten Nachbardisziplinen unterscheidet. Ihr geht es darum, die »Grundsprache der Natur und ihres Schöpfers« aufzudecken und »wieder verständlich zu machen«, ein Ansatz, der sich terminologisch eher an der Theologie zu orientieren scheint als an einer Naturwissenschaft. Ein Blick auf die Publikationen des Innsbrucker »Instituts für Grenzgebiete der Wissenschaft« verrät denn auch einen christlich geprägten Interessensraum: Neben Schriften mit dem Titel »Aspekte des Bewusstseins« und »Heilen« sind dort auch Bände über »Das Antlitz Christi« und »Die Seligen Johannes Pauls II.« zu finden. Das mag nicht zuletzt auf die persönlichen Interessen des Institutsgründers Andreas Resch zurückzuführen sein, einem studierten Theologen und Psychologen, der von 1969 bis 2000 die Professur für Klinische Psychologie und Paranormologie an der vatikanischen Lateranuniversität innehatte. Unter dem Link »Verwandte Institute« wird jedoch nicht auf theologische, sondern größtenteils auf parapsychologische Einrichtungen verwiesen.

Im Rahmen der »Weltbild«-Forschung beschäftigt sich die Paranormologie ausführlich mit den Gebieten der Magie, der Mantik, des Schamanismus, der Gnosis, der Alchemie, der Esoterik, dem Satanismus, dem Spiritismus und dem New Age. Auch hier ist die christliche Position des Forschers deutlich spürbar, wenn er – durchaus nicht wertfrei urteilend wie ein Wissenschaftler – die Esoterik als »vor allem zum Christentum alternative Lebensgestaltung« bezeichnet, die den »Stellenwert der Person durch die kosmische Einheit und den Kreislauf der Dinge völlig relativiert«.
Ein für alle Parawissenschaften unverzichtbarer Beitrag ist das auf über 20 Bände angelegte »Lexikon der Paranormologie«, dessen Begriffsdichte wie Umfang alle vergleichbaren Nachschlagewerke bei weitem übertrifft. Während der Sterndeutung in Reclams »Lexikon des Aberglaubens« 5 Seiten gewidmet sind und das »Lexikon der Parapsychologie« gerade mal 5 Spalten zu diesem Stichwort bietet, gibt es neben den 8 Spalten zum Stichwort »Astrologie« noch eigene Einträge zu Astroalchemie, Astrogeographie, Astrographologie, Astrokartographie und Astrologischen Edelsteinen, Häusern, Kalendern und Symbolen, insgesamt über 17 Spalten mit reichen Details zur Geschichte und Methodik dieser »Königin der Wissenschaften«. Auch die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift »Grenzgebiete der Wissenschaften«, welche über ein hohes akademisches Niveau verfügt, ist für jeden Interessenten der paranormalen Phänomene ein großer Gewinn, möchte sich dieser über den allmählichen Wandel des Weltbilds in den modernen Geistes- und Sozialwissenschaften informieren.

GESCHICHTE DER HERMETISCHEN PHILOSOPHIE UND VERWANDTER STRÖMUNGEN

Ebenfalls mit Weltbildern beschäftigt sich das in Amsterdam ansässige Zentrum für die »Geschichte der Hermetischen Philosophie und verwandter Strömungen« (gHF). Dieses beschäftigt sich seit 1999 mit all jenen Lehren und Theorien, die sich persönlicher spiritueller Erfahrung und innerer Erleuchtung verschrieben haben. Im Mittelpunkt stehen weniger die außergewöhnlichen Phänomene an sich als deren intellektuelle oder geistige Einordnung von Seiten der »Gläubigen« bzw. »Praktizierenden«. So verwundern gelegentliche Überschneidungen nicht, wie die Assistenzprofessur Kocku von Stuckrads belegt, der sowohl Wissenschaftler als auch praktizierender Astrologe ist. Im Gegensatz zur Parapsychologie und zur Anomalistik interessiert das gHF jedoch weniger die Wahrheitsfrage der behandelten Lehren, als vielmehr deren historische Zusammenhänge und ihr Einfluss auf die jeweilige Gesellschaft, in der sie zu Hause waren. Die Universität von Amsterdam ist damit die erste Universität weltweit, die ein vollständiges Forschungs- und Lehrprogramm auf dem Gebiet westlicher Esoterik entwickelt hat.

Neben der regulären Ausbildung von Studenten und der Betreuung von Doktoranden bietet das Institut mit seiner ausgesprochen feinen esoterischen Bibliothek (mit zahlreichen mittelalterlichen Schriften) auch eine Heimstatt für Projekte assoziierter Wissenschaftler. Themen wie »Veränderte Bewusstseinszustände«, »Die Anwesenheit von Göttern« oder »Konx Om Pax: Die Geschichte einer mysteriösen (Zauber)formel« lassen dabei eher an die »Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei« denken als an ein reguläres religionswissenschaftliches Institut; doch alle Beteiligten sehen sich neben ihrem aufrichtigen Interesse an Esoterik vor allem der kritischen akademischen Wissenschaft verpflichtet. Und genau hier liegt der große Wert dieser Institution: in ihrer Unanhängigkeit, die die von der Anomalistik geforderte Objektivität jenseits von Glauben und Spöttelei garantiert. Ihre Ergebnisse werden so zu einem echten Zugewinn für das Verständnis wie für die Fortschreibung der europäischen Geistesgeschichte.

DER MAGIE EINE THEORIE!

Schon dieser kurze Überblick über die wichtigsten Strömungen der deutschen wie der internationalen Grenzwissenschaften belegt die wachsende Aufmerksamkeit, die manche innovative Wissenschaftler »typisch esoterischen« Phänomenen schenken. Was noch vor einiger Zeit »des Teufels« war, ist inzwischen sogar an der Universität des Vatikans zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen geworden.

Wie jeder Dialog, der auf einen »Heiligen Krieg« folgt, kann diese neue Auseinandersetzung für beide Seiten nur von Gewinn sein. In den folgenden Teilen dieser Serie werden wir uns Phänomenen widmen, die von den Grenzwissenschaften besonders intensiv erforscht worden sind und die in der Tat das Zeug haben, unser Weltbild an entscheidenden Stellen zu korrigieren.